
Die IDM Seesegeln Inshore (IDM - Internationale Deutsche Meisterschaft) bestand dieses Jahr aus zwei Regatten: Der Aalregatta (von Kiel nach Eckernförde) am Samstag und von Sonntag bis Dienstag dem Kiel Cup, Up and Downs auf dem Stollergrund. Die Gegner: Unglaublich stark, unter Ihnen vier mal das Verrechnungswunder von X-Yachts, die neue XR-41. Die anderen Boote allesamt mit Crews besetzt, die ihr Boot seit Jahren in ähnlicher Besetzung segeln und genau kennen. Ob wir da als Studierendenprojekt mit großem Crewpool mithalten können?
Am Samstag ging es also los mit der Aalregatta. Start war vor Kiel-Düsternbrook in der Innenförde. Bei Sonnenschein und Leichtwind konnten wir – da wir am Abend zuvor die Uni schon in den Hafen Düsternbrook überführt hatten quasi vom Bett an die Startlinie fallen. Ganz so war es dann doch nicht, aber nach einem Frühstück, einem Vorbereitungsmeeting und ein wenig Räumen fuhren wir raus, setzten unser Großsegel und bereiteten uns auf den Start vor.
Dieser war ein Vorwindstart. Direkt hinter der Startlinie setzten wir den Gennaker leider mit einem kleinen Fehler, sodass wir in den ersten Minuten nach dem Start wertvolle Zeit mit der Behebung verbrachten. Dabei zogen die anderen Boote, trotz unseres eigentlich guten Starts, an uns vorbei.
Unter Gennaker ging es dann aber aus der Kieler Bucht heraus zu einer zu rundenden Tonne. Dort kam der Gennaker runter, und es ging mit einem Amwindkurs in die Eckernförder Bucht. Weiterhin bei Leichtwind hatten wir Schwierigkeiten, die Uni auf Fahrt zu bringen. Leider hatten wir aus logistischen Gründen nicht ausstauen können, was sich nun etwas rächte.
Um 14:00 Uhr liefen wir durchs Ziel in Eckernförde und bekamen von einem Schlauchboot den obligatorischen Aal überreicht.
Den Rest des Nachmittags verbrachten wir damit, diesen zu essen, Kleinigkeiten für den Kielcup vorzubereiten und baden zu gehen – bevor es am nächsten Tag mit viel Action weiterging.

Bild: Aalregatta
Gleich nach dem Auslaufen am Sonntagmorgen wurden wir von der Wasserschutzpolizei begrüßt. SBF vorzeigen, Funkzeugnis vorzeigen, beinahe hätten wir auch noch pusten müssen. Danach ging es schnell weiter Richtung Startlinie. Wir schafften es vorm Start noch einmal den Gennaker zu setzen und einen Luv-Drop zu üben, dann gingen wir in Angriffstellung. Der erste Start war pünktlich, danach sackten wir allerdings langsam hinter unsere Gegner auf der Surprise zurück. Bei der ersten Luvtonnenrundung lagen wir noch im Feld, danach fielen wir leider weiter zurück und fuhren so gut wir konnten den Anderen hinterher. Als wäre das noch nicht genug riss uns leider der große Gennaker (A2) trotz Leichtwind, sodass wir auf ein kleineres Tuch (A4) wechseln mussten. Etwas verspätet und mit zu wenig Segelfläche durchquerten wir das Ziel als letztes Schiff der Gruppe ORC A+B. Der nächste Start war bereits angekündigt und uns blieb nicht viel Zeit für eine Trinkpause. Die folgenden zwei Wettfahrten liefen etwa nach dem gleichen Schema ab: Gute Starts, Mithalten auf der Kreuz, zu wenig Segelfläche auf dem Downwind. Auf der positiven Seite konnten wir allerdings super Bergemanöver, saubere Wenden und einfache taktische Entscheidungen notieren. Der Wind drehte über den Tag immer weiter rechts, sodass die Luvtonne mehrmals umgelegt werden musste. Auf der letzten Runde des Tages gab es dann noch eine Überraschung: Der Westwind setzte sich endgültig durch und wir segelten Halbwind zur Tonne und Halbwind wieder zurück.
Für die nächsten beiden Tage war Starkwind vorhergesagt. Vor dem ersten Start am Montag machten wir ein kurzes Training mit dem kleinen Gennaker (A4), verschätzten uns dabei aber ein bisschen in der Zeit. So hatten wir plötzlich nur noch fünf Minuten, um den Gennaker zu bergen, durch das Check-in-gate zu segeln und zu starten. Irgendwie waren wir dann doch pünktlich an der Linie, kurz nach dem Start war dann auch die Fock ganz oben und wir fuhren dank des gerefften Großsegels stabil in der Mitte des Feldes zur Luvtonne. Auf dem ersten Downwind versuchten wir, mit dem Starkwindgennaker (A5) zu segeln, entschieden uns aber letztlich dafür, etwas konservativer zu fahren und verzichteten auf den Gennaker. Der Wind war inzwischen auf über 20 kn geklettert, mit Böen über 30 kn und die Boote um uns herum landeten regelmäßig mit Schwung auf der Seite. Es war das reinste Kino! Auch die Wettfahrtleitung hatte zu kämpfen: Als wir nach drei Runden ins Ziel einfuhren, war das Startschiff nicht mehr da: Der Anker hat nicht gehalten. Aufgrund der widrigen Bedingungen wurde an dem Tag keine weitere Wettfahrt gestartet. Schade, wir haben uns ohne Gennaker eigentlich sehr gut gefühlt! Außerdem haben wir so die alten Herren von der Edelweiß geschlagen ;)
Auf dem Rückweg nach Schilksee mussten wir uns ein wenig Zeit lassen, weil 300 ILCAs gerne vor uns durch die Hafeneinfahrt wollten. Da war einfach kein Platz mehr für uns, zumal der Wind auch im Hafen mit Böen über 20 kn blies.

Bild: Start bei Starkwind, wir sind etwas früh.
Dienstagmorgen starteten wir gleich etwas vorsichtiger als Montag und verzichteten auf das Gennakertraining vorm Start. Stattdessen fokussierten wir uns darauf, die Fock einmal sauber einzustellen und uns dann für den Start zu positionieren. Unsere Taktik (von rechts an die Linie fahren) ging diesmal schief, wir wurden zwischen zwei XR-41 eingekesselt und standen einige Zeit auf der Stelle. Als wir wieder losfuhren, waren alle Boote vor uns. Wir ließen uns aber nicht die Motivation nehmen, brachen nach rechts vom Feld weg um freien Wind zu bekommen und segelten konzentriert weiter. Der Grundwind war wie am Montag, aber mit weniger Böen. Für den ersten Downwind bauten wir den Starkwindgennaker (A5) an, verzichteten aber darauf ihn zu setzen, als der Wind bis auf 28kn weiter zunahm. Wir waren auch ohne Gennaker schnell genug. Außerdem lagen wieder fast alle Boote, die einen Gennaker gezogen haben, mit flatternden Segeln auf der Seite. Links platzte das erste Segel, rechts das zweite. Wir sollten drei Runden segeln, bei Beginn der zweiten Runde war der Wind konstant auf 28 kn. Jetzt führte kein Weg mehr dran vorbei: Wir mussten das Großsegel verkleinern wenn wir es nicht dauerhaft schlagen lassen wollen. Also begannen wir, während wir wieder hochkreuzten, das zweite Reff einzuziehen. An dieser Stelle machten wir einen kleinen Fehler, der uns letztendlich die Wettfahrt kosten sollte: Da wir das Groß sehr flach gezogen hatten und zum Reffen nicht ordentlich entspannten, rutschte es aus dem Einfädeler raus. Bedeutet: Fock bergen, Motor an, Groß bergen, Groß wieder hoch. Wir meldeten uns bei der Wettfahrtleitung ab und fingen an zu arbeiten. Schade! Bis hierhin lief es echt gut. Währenddessen fing das Startschiff wieder an abzutreiben und die Wettfahrtleitung entschied, keine weiteren Wettfahrten zu starten.

Bild: Downwind - für uns auf die sichere Art ohne Gennaker
Wieder im Hafen angekommen erholten wir uns ein wenig von dem vielen Wind und räumten das Boot auf. Es soll sich die nächsten Tage hier im Hafen ausruhen, um dann von der nächsten Crew auf dem Silbernen Band gesegelt zu werden. In den Ergebnissen der letzten Tage zeigte sich letztendlich eine traurige Erkenntnis, die sich schon auf der MaiOR angekündigt hatte: Die ersten Plätze werden ausschließlich vom neuen Verrechnungswunder XR-41 belegt. Wir liegen hinten im Feld, sind aber mega stolz: Wir sind die IDM mitgesegelt! Das ist schon unsere zweite Up-and-Down Regatta diese Saison, das haben wir in den letzten Jahren selten geschafft.

Bild: Das war die IDM Inshore 2025!


