
Im letzten Jahr haben einige ehemalige bzw. „altaktive“ Crewmitglieder der Universitas auf unserer Sturm Stina eine neue Heimat für das Regattasegeln gefunden. Zumindest immer mittwochs zum Feierabendsegeln bei der Mittwochsregatta. Viel mehr lässt der Terminkalender bei jungen Berufsanfängern ja leider oft nicht zu. Dabei werden natürlich immer wieder die Geschichten aus der Zeit auf der Universitas ausgegraben und die Sehnsucht nach dem besonderen Flair der Langstreckenregatten wird wieder wach. So fassten wir den Plan in 2025 mit unserer First 27.7 bei Rund Bornholm an den Start zu gehen. Nachdem die Urlaube genehmigt und das Schiff ausgerüstet war, konnte gemeldet werden! Und wir freuten uns schon Wochen vorher über das mit 44 Meldungen größte Starterfeld seit sieben Jahren.
Am Montag Mittag gingen dann immerhin 38 Schiffe bei herrlichem Sonnenschein und frischem NW-Wind an den Start. Eine halbe Stunde nach den „großen“, bei denen u.a. die Universitas am Start war, durften wir auch endlich los und preschten Darßer Ort entgegen. Der Start zunächst noch unter Fock, aber schnell raumte der Wind, sodass unser pinke Gennaker gesetzt werden konnte. Neben den Mini 650 waren wir das kleine Schiff auf dem Kurs, konnten bei den Bedingungen aber gut in unserer Startgruppe mithalten und bald die ersten Schiffe der eigentlich schnelleren Gruppe einholen.
Ab Darßer Ort wehte der Wind aus West und beschwerte uns einen langen Ritt raumschots nach Bornholm. In der Nacht flaute der Wind auf zwischenzeitlich 5kn ab und hätte einen Kurs „platt vor Laken“ bedeutet, den wir mit Gennaker natürlich nicht fahren können. Daher kam die gleich große Rostocker Hiddensee Blue Bird zwischen den Windparks an der deutsch-dänischen Grenze plötzlich wieder bedrohlich nahe, nachdem sie bei Rügen schonmal außerhalb AIS Reichweite waren. Im Morgengrauen frischte der Wind aber langsam wieder auf und drehte auf NW, sodass wir sie auf Raumschotkurs schnell wieder achteraus kleiner werden sahen. Am Vormittag erreichte der Wind satte 5Bft und ließ die Insel schnell größer werden – mit in der Spitze 13,5kn rauschten wir mit einem breiten Grinsen im Gesicht nach Westen.
Youtube Video: https://youtube.com/shorts/KEW7qdtq_hM
Im Süden Bornholms kamen uns die ersten Schiffe entgegen: zunächst die beiden Volvo 70 von Speedsailing, gefolgt von den anderen schnellen Schiffen der Flotte. Höhe Dueodde musste dann nach 21 Stunden der Gennaker wieder geborgen werden – was ein traumhaft langer Ritt! Nun also mit Fock an Bornholm vorbei. Als die Küste bei Svaneke nach NW abbog fanden wir unter Land einen schönen Linksdreher und konnten mit nur einem kleinen Verholer direkt Hammer Odde im Norden anliegen. Nachdem ich bei glattem Wasser bei Gudhjem in die Vorschiffskoje gekrochen war, wurde ich zwei Stunden später geweckt indem ich rhythmisch an die Decke geworfen wurde – offensichtlich hatten wir gerade die Nordspitze gerundet und waren aus dem Wellenschatten heraus gesegelt. Sofort war ich hellwach und in Unterhose an Deck, als ich wilden Notverkehr am Funk vernahm: der X-41 Dockenhuden war der Mast gebrochen und die Place to Be machte ihrem Namen alle Ehre, indem genau dort war, wo sie gebraucht wurde und die Mitsegler in den Schlepp zurück in den Hafen nach Allinge nahm.

Den angekündigten Rechtsdreher erwartend kreuzten wir am VTG westlich von Bornholm entlang zurück Richtung Rügen. Der Wind nahm in der Nacht wieder stark ab und ließ uns zwischendurch mit 1kn Fahrt durch spiegelglatte, aber von silbernem Mondlicht beschienenen See gleiten. Schön, aber langsam. Gegen 02:00 setzte er aus WNW wieder ein und wir konnten Darßer Ort mit einem Anlieger erreichen. Alsbald legte der Wind nochmal einen drauf und wir segelten mit knapp 9kn Speed dem Ziel entgegen. Ein Endspurt der seinem Namen alle Ehre machte!
Nach 49,5h gesegelter Zeit überquerten wir etwas müde, aber glücklich die Ziellinie in Warnemünde. Als kurz nach uns einige deutlich größere und schnellere Konkurrenten das Ziel erreichten, hatten wir schon ein gutes Gefühl für das Ergebnis in unserer Gruppe der Yardstick Schiffe. Das wurde uns dann bei der Siegerehrung bestätigt, die wir fast noch verpasst hätten, wenn wir nicht 15min vor Beginn die Nachrichte erhalten hätten, dass diese 3h vorgezogen wurde. Dort durften wir dann nicht nur über den Sieg in der Gruppe der Yardstick Schiffe freuen, sondern auch über den Kyria-Pokal für den Gesamtsieg aller teilnehmenden Schiffe bei Runde Bornholm (ORC Schiffe werden dafür auch nach Yardstick gewerden). Nachdem wir am Wochenende zuvor auch schon die Bäderregatta gewonnen hatten, bedeutete dies auch den Gewinn des Warnemünder Woche XXL-Cup Wanderpokals als Gesamtwertung aller Offshore Regatten der Warnemünder Woche.
Eure Sturm Stina Crew
Hauke Sponholz, Johann Mikkat, Marius Biniasz, Philipp Marienhagen, Mascha Dreistein



