
Die Erinnerung an den großen Spaß den wir im letzten Jahr bei dieser Regatta hatten, weckte bei einigen den Wunsch auch dieses Jahr wieder bei dem Rennen einmal rund um Fyn teilzunehmen. Nur zwei Wochen nach der Nordsee Woche und mitten im Semester gelegen, gestaltete sich die Suche nach Mittstreitern aber zunächst schwierig. Noch am Sonntag, drei Tage bevor es losgehen sollte diskutierten wir ob man auch zu siebt oder gar zu sechst teilnehmen könnte. In der Erwartung eines sehr schlaflosen Rennens meldeten wir trotzdem.
Mittwochabend: nicht mal 72 Stunden später übernehmen wir tatsächlich doch noch zu zehnt die „Uni“ von der Mittwochsregattacrew!
Gegen 21:30 legen wir in Warnemünde wieder ab, nach anfänglichem Motoren nimmt der Wind etwas zu und wir machen uns unter Gennaker auf den Weg nach Kerteminde. Die perfekte Gelegenheit schonmal ein paar Manöver für die Regatta zu trainieren, da ausnahmsweise mal die komplette Regattacrew auch schon bei der Überführung dabei ist. Bis zur Ankunft am Donnerstagvormittag haben wir so immerhin 3 mal den Gennaker gesetzt und geborgen, Halsen mit und ohne Gennaker bei bis zu 20 Knoten geübt, das Großsegel ein- und ausgerefft und den Vorsegelwechsel zumindest mal angefangen.
Nach den Anlegen sind sich aber fast alle einig: bevor wir mit dem Ausstauen beginnen muss erstmal ein bisschen Schlaf nachgeholt werden. Als beliebtester Schlafplatz erweist sich dabei seltsamerweise der Holzweg neben unserem Liegeplatz. Ob das an den „gemütlichen“ Holzplanken, der warmen Sonne oder vielleicht doch an der schlechten Luft unter Deck liegt, bleibt wohl ein Rätsel. Den Rest des Tages verbringen wir mit dem Abbauen und Ausstauen von Fahrtensegeln, ein paar letzten Reparaturen und einem kurzen Spaziergang zum Strand.
Bei der Steuerleute Besprechung am nächste Morgen erfahren wir dass die Regatta uns auch in diesem Jahr gegen den Uhrzeigersinn um die Insel führen wird. Auf Grund des vorhergesagten leichten Windes in der zweiten Hälfte des Rennens, versuchen wir noch jeglichen unnötigen Ballast von Bord zu räumen. So wird die Auswahl an Teesorte von ungefähr 20 auf 4 reduziert (wobei dabei ausversehen auch das Kaffeepulver von Bord fliegt) und die nicht benötigte Kleidung wandert ebenfalls in den Stegsack. Den schweren Anker lassen wir in weiser Voraussicht aber lieber an Bord.
Nach kurzem Einsegeln starten wir um 11:30 ins Rennen. Nach einer kurzen Startkreuz runden wir die Luvtonnen und segeln unter Genacker die Küste von Fynen entlang. Unser erstes Ziel: eine rote Fahrwassertonne am nordöstlichen Zipfel der Insel. Auf dem immer spitzer werdenden Kurs düsen wir, zusätzlich unter Staysail, an immer mehr von den vor uns gestarteten kleineren Booten vorbei. Schließlich dreht der Wind aber soweit das wir den Gennaker noch vor der Tonne bergen müssen. Was folgt sind 4 Stunden Kreuz in Richtung Middlefahrt. Nach der Durchfahrt kommt der Wind endlich wieder etwas mehr von hinten und wir können von der J3 auf den Code 0 peelen, sehr zur Freude aller Downwindliebhaber/-innen. Zu diesem Zeitpunkt führen wir unsere Gruppe in der Verrechnung an und die aktuell zweitplazierte X41, die in der Verrechnung schneller als wir sein muss, ist auch nur wenige Meilen vor uns.
Während die Sonne langsam untergeht wird aber leider auch der Wind immer schwächer. Auf dem Weg zum Svendborgsund halsen wir, jetzt wieder mit Gennaker, zwischen Fynen und den Inseln der dänischen Südsee hin und her, doch als wir den Sund gegen halb drei Uhr Nachts dann endlich erreichen wird es schon fast wieder hell.
Der Wind ist jetzt nur noch Fleckenhaft vorhanden, aber selbst in „Böen“ überschreitet er die 3 Knoten nicht mehr. Statt schnellen Manövern ist jetzt elfengleiches Schweben bei jeder Bewegung gefragt. Auf mysteriöse Weise bleiben unsere Segeln noch etwas länger stehen als die der umliegenden Boote und wir können uns ganze 100 Meter absetzten.
Doch als die Freiwache um 5 Uhr morgens, 3 Stunden später, wieder aus ihren Kojen klettert ist der Svendborgsund leider immernoch nicht durchquert. Das Problem: der Strom der bisher eher von hinten kam und uns langsam vorwärts treiben lies, beginnt nun zu kippen. Die Witze des Steuermanns über das Raussuchen des Ankers werden dann wenig später zur traurigen Realität. Bei fast spiegelglattem Wasser kommen wir nicht mehr gegen die Strömung an und müssen schließlich den Anker ausbringen um nicht wieder zurück zu treiben. „Warum immer segeln wenn man auch mal ankern kann?!“. Die Idyllische Aussicht hilft da nur wenig über den Frust hinweg, vor allem weil die X41, unsere direkten Kokurrenten um den Gruppensieg, nicht stecken bleiben.
Während einige nun versuchten die Zeit zu nutzen um ein bisschen Schlaf nachzuholen, bleibt der „aktiven“ Wache nichts anderes übrig als die aufkommende Langeweile zu bekämpfen. Neben allgemeinem Aufräumen und abwaschen finden wir auch kreativere Wege uns die Zeit zu vertreiben. Die vorbeitreibenden Quallen eignen sich zum Beispiel sehr gut um mit der Stoppuhr den Gegenstrom zu Messen. Immer nur auf die Anzeigen zu gucken ist ja auch zu einfach oder? Fazit: „Die Qualle sagt 1,5kn Strom von vorne“. Bei ebenfalls 1,5 kn Wind ist da leider noch lange nicht ans weitersegeln zu denken.
Weitere 3 Stunden später ist der Wind dann endlich wieder stärker als der Strom und uns gelingt es den Svendborgsund endlich zu verlassen. Anders als so manche Konkurrenten schaffen wir das sogar ohne gegen die Fahrwassertonnen zu treiben. Nach dem Runden der letzten Untiefentonne setzten wir den A3 und treiben bei immernoch sehr leichtem Wind in Richtung der am Horizont auftauchenden „großen Belt Brücke“. Während wir zwischen den Windfeldern hin und her halsen und vom A3 auf den für den tiefen Kurs besser geeigneten A2 peelen, nehmen Wind und Bootsspeed auf dem Weg zum Ziel kontinuierlich zu. Nach einer letzten gemeinsamen Halse vor der Kerteminder Mole ist es dann geschafft: Nach gut 27 Stunden erreichten wir glücklich, mit dem ein oder anderen Sonnenbrand und auch ein bisschen Müde das Ziel.
Der Blick auf den Tracker verrät später, dass es für den Gruppensieg in diesem Jahr leider nicht gereicht hat. Wir landen auf Platz 2, drei Minuten und 30 Sekunden verrechnet hinter der X-41 die nicht im Svendborgsund hängen geblieben war. Im inoffiziellen Ranking laut Tracker erreichen den 14. Platz von über 90 Booten.
Viel Zeit bleibt uns nach dem Anlegen in Kerteminde leider nicht, denn wir wollen Sonntag Mittag wieder in Rostock sein. Also schnell wieder alles einräumen, auf die Fahrtensegel wechseln und schon sind wir auf dem Weg nach Hause. Das Motto der nächsten 16 Stunden: möglichst viel Schlafen! Und nach dem wir uns alle an den Käsespätzlen satt gegessen haben fangen die ersten auch direkt damit an. Im vier Stunden Rhythmus wechseln sich die zwei 5er Wachen jetzt mit segeln und schlafen ab. So vergeht die Zeit wie im Fluge und um 13 Uhr erreichen wir schließlich ein bisschen weniger Müde die Molenköpfe in Warnemünde.









