
Am Freitagnachmittag machen sich Findus, Idefix und Joria (RS 500) auf dem 3er-Trailer vom MYCR – danke dafür! – und zwei Campern in Rostock auf den Weg Richtung Priwall (Travemünde). Den Nachmittag verbringen wir, das sind Marius und Jan - Eric, Theo und Justus und Flieger und Swantje, damit, die Boote aufzubauen und unser Camp einzurichten. Alles steht bereit für eine erfolgreiche European Championship Regatta Woche!

Samstag
Steuerleute-Besprechung um 9:30 Uhr. Laut Wetterbericht soll es Böen bis 30 kn geben. Drei Wettfahrten sind geplant, der erste Start ist um 12 Uhr. Also Segel anbauen und kurz nach 11 Uhr geht es aufs Wasser. Auf dem ersten Downwind geht es drei Seemeilen raus zu unserer Wettfahrt Area: Charlie. Endlich mal viel Platz und guter Wind, um unter Gennaker richtig Spaß zu haben.
Während Joria es ohne Kenterung, allerdings mittlerweile wahrscheinlich wieder ohne Schwertlippe, zur Startlinie geschafft hat – ab 10 kn haben wir einen 20 cm hohen Springbrunnen im Boot –, konnte man rechts und links viele gekenterte Hindernisse sehen.
Auf der Bahn ist der Wind mittlerweile so stark, dass wir hauptsächlich mit uns selbst beschäftigt sind: möglichst wenige Manöver und bloß von den anderen Booten freihalten. Fast alle haben eine EIN-Halsenstrategie, und der Zeitpunkt zum Halsen wird immer wieder durch gekenterte Hindernisse markiert, an denen man irgendwie vorbeikommen muss.
Unser Ziel, kenterfrei zu bleiben, erreichen wir leider nicht. Dafür schaffen wir es innerhalb des Zeitlimits ins Ziel – nach gut einer Stunde für drei Runden. Die Ersten haben es in etwa 45 Minuten geschafft. Beim zweiten Start merken wir dann auch, dass gut die Hälfte der Flotte gar nicht mehr dabei ist. Der Wind hat noch einmal zugelegt. Also reduzieren wir die Manöver auf das absolute Minimum: zwei Runden, nur eine Wende je Kreuz. Die Boote direkt vor uns ziehen schon keinen Gennaker mehr. Wir lassen ihn deshalb ebenfalls drinnen. Diesmal wird der Zeitpunkt für die Q-Wende wieder durch gekenterte Hindernisse markiert … Immerhin: keine Kenterung in einem Manöver! Dafür rutscht der Steuermann einmal aus dem Ausreitgurt und landet dann doch noch einmal im Wasser. Nach dem Zieleinlauf hängt heute keine weitere Wettfahrt mehr am Startschiff. Also können wir uns auf die etwa drei Seemeilen lange Kreuz zurück Richtung Priwall-Strand machen.
Wir waren schon lange nicht mehr sooo fertig nach dem Segeln wie nach diesen zwei Wettfahrten und vier Stunden auf dem Wasser. Wie sollen wir das für 4 weitere Tage überstehen?
Den Abend lassen wir dann auf der Passat bei einem guten Buffet ausklingen.
Sonntag
Immer noch viel Wind, aber ein wenig weniger als am Tag davor. Der Morgen startet nach dem Frühstück mit der typischen Frage: „Was ziehe ich an?“ bzw. „Wie warm muss ich mich einpacken?“ Lieber zu viel als zu wenig – und so schlüpfen wir alle in unsere wärmsten Neos und stopfen die Schwimmwesten noch mit Riegeln voll. Auch unsere Säcke, die wir mit auf die RS nehmen, werden ordentlich mit Verpflegung gefüllt. Am Priwall werden die Boote aufgeriggt und wir segeln raus in die Racing Area. Vier Wettfahrten sind für heute geplant. Die ersten beiden bestehen wir gut. Die dritte wird dann allerdings mehr gekentert als gesegelt: Immer wieder kommen Schauerböen durch. Zu unserem eigenen Erstaunen schaffen wir es trotzdem, rechtzeitig ins Ziel zu kommen und noch gewertet zu werden.
In einer Pause wollen wir etwas essen. Während wir gerade den Beutel aufmachen, kentern wir natürlich prompt – und der Inhalt des Beutels landet fröhlich in der Ostsee. Gerade so können wir noch eine Flasche Apfelsaft retten. Auf den Downwindkursen gleiten wir durch. Ich glaube, wir waren noch nie so schnell … und schwanken irgendwo zwischen: „Das ist krass!“ und „Ich hab Angst!“. Nach der vierten Wettfahrt fahren wir rein. Wir sind völlig erschöpft, aber gleichzeitig richtig stolz, den zweiten Wettfahrtstag für Idefix komplett gemeistert zu haben, nachdem wir am Vortag aufgrund des zu starken Windes leider abbrechen mussten. Im Camp müssen die Energiereserven mit einer ordentlichen Portion Nudeln wieder aufgefüllt werden. Und natürlich freuen wir uns schon auf den nächsten Tag!

Montag
Der Wind hat immer noch nicht abgenommen. Also wie die Tage davor alles anziehen. Um 8:45 Steuerleutebesprechung, der Wetterbericht sagt ähnliche Bedingungen wie die letzten Tage vorher. Wir stellen uns wieder auf windige und wellige Bedingungen ein. Gerade als die ersten RS am slippen sind, wird AP über H am Flaggenmast gesetzt, Startverschiebung mit Warten an Land. Daraufhin warten wir in unseren Neos einige Stunden an Land. Um 11 wird endlich AP heruntergeholt. Jetzt heißt es schnell slippen und los, da das Wettfahrtgebiet weit weg liegt. Aber dann doch wieder AP über H – allgemeine Verwirrung. Das Warten geht weiter. Gegen 14 Uhr kommt dann die Ansage der Wettfahrtleitung, dass das Startboot schon 2 Anker versenkt hat und sie keinen Anker zum Halten bekommen. Daraufhin werden alle Wettfahrten für den Tag abgesagt. Einigen sieht man die Erleichterung an, sich und das Material nicht bei so viel Wind quälen zu müssen. Am Nachmittag wurden dann noch einige lustige Strandspielchen von den segelnden Crews organisiert. Zum Beispiel haben wir ein Bouleähnliches Spiel mit den Rädern von Slipwagen gespielt oder sollten mit Drehwurm einen Kurs ablaufen. Britischer Humor…
Dienstag
Endlich ein Tag mit einer “Leicht”windvorhersage. Es waren entspannte 7-10 kn Wind vorhergesagt, welcher gegen Mittag weniger werden sollte. Während des raussegelns hatte man schon fast Angst, dass man mit dem normalen Wind nicht rechtzeitig am Start ankommt. Am Start angekommen stellte das Feld fest, dass wie bei fast jedem Start das Pinend bevorteilt war. Das führte dazu, dass sich wiederholt mehrere Boote zu früh über die Startlinie schoben und 3 allgemeine Rückrufe ausgelöst wurden. Black Flag und ein paar genervte Blicke erlaubten dann doch beim 4. Versuch eine vollständige Wettfahrt. Bei dem leichteren Wind hatte man endlich die Möglichkeit, mehr auf den Kurs zu schauen, und war nicht hauptsächlich mit sich und seinem Boot beschäftigt. Zum Ende der ersten Wettfahrt wurde der Wind immer weniger und schlief komplett ein. Daraufhin trieben wir fast 2 Stunden ohne Wind bei Startverschiebung rum. Wer es schaffte, sich zum Startschiff zu pumpen, wurde freundlicherweise mit Süßigkeiten abgeworfen. Da kein Wind mehr kam, wurde die Startverschiebung auf Warten an Land geändert und Schlauchboote haben uns reingeschleppt. Eine kleine Kommunikationspanne beendete dann auch die Hoffnung bei dieser Regatta nochmal eine Wettfahrt mit leichtem Wind zu segeln.
Am Abend waren wir erneut zu Speis und Trank auf die Passat eingeladen.

Mittwoch
Letzter Tag und nochmal alles reinschmeißen war das Motto. Endlich wieder über 15 kn Wind und 20 % der Crews fahren erst garnicht raus, da sie genug haben von der Dauerzerstörung. Wir sind aber wieder am Start und merken, das es doch deutlich besser läuft als am ersten Tag. 3 Wettfahrten werden abgerissen und der Gennacker wird lieber nicht bei jedem Downwind rausgeholt, denn alleine schon innerhalb der Zeit ins Ziel zu kommen, verspricht eine akzeptable Platzierung. Erleichtert, dass auch bei diesem Ritt nichts zu Bruch gegangen war, segelten wir ein letztes Mal den langen Schlag entlang der Küste nach Priwall. Und dann doch, in der quasi letzten Wende vor dem Strand brach bei Justus und Theo der niegelnagelneue Pinnenausleger. Aber auch ohne diesen schafften sie es noch souverän, aber erschöpft zurück.
Wir waren dann doch erleichtert, dass nicht noch ein weiterer Wettkampftag auf uns wartete. Jetzt war nur noch Ausruhen und die Siegerehrung angesagt. Die ersten vier Plätze wurden von britischen Teams belegt. Dann ein tschechisches, niederländisches und italienisches Boot. Hier ist die RS500 Klasse auch am besten aufgestellt. Marius und Janni waren dann das zweitbeste deutsche Team auf Platz 26. Flieger und Swantje auf Platz 32 und Justus und Theo auf Platz 36. Damit konnten wir zufrieden sein, auch wenn man sich natürlich immer ein wenig mehr vorgenommen hatte.
Zum Abschluss gab es im Camp für jeden eine Pizza und wir empfingen noch Frank und Friederike die den zweiten Tag RS Aero WM überstanden hatten.
Am nächsten Tag bauten wir unser Camp ab und fuhren nach Hause. Starkwind auf dem RS macht uns aufjedenfall nicht so schnell wieder Sorgen.






