• Akademischer Segler-Verein zu Rostock e.V.,Uferpromenade 1, 18147 Rostock

Ein etwas stürmischer Urlaubstörn

Bernd Lange
Heinz-Wilhelm Nietiedt (Gast)

Unser Vorhaben, noch am Sonntag nach dem Übersetzen mit der 14.00 -Uhr-Fähre ab Schaprode, Lohme anzusteuern, ließen wir auf Grund der Ungewissheit, den Hafen noch im Abendlicht zu erreichen, zugunsten einer schönen Abendwanderung durch das Hiddenseer Hochland unrealisiert. Der Fernblick über die Insel, die nun schon seit Jahrzehnten für uns ihren Reiz nicht verloren hat und nach Møn, ein Bier im Klausner mit den frechen Spatzen und Buchfinken auf und unter den Gartentischen, der Sonnenuntergang auf der Hucke über Kloster und ein spätes Abendessen an Bord waren für BL eine schöne Urlaubsfortsetzung und für HWN ein erstes Abstandgewinnen vom Berufsstress.

06.00 Uhr klingelte der Wecker. Kein Wind aus Süd!
Gegen 07.00 Uhr sind wir mit einem reichlichen Frühstück fertig.
07.30 Uhr starten wir den Motor zum ersten Mal, er springt auf Anhieb an und geht sofort wieder aus. Das bekannte Basteln und Ausprobieren beginnt, sehr zum Ärger eines Motorjacht-Ehepaares neben uns, das in Ruhe frühstücken wollte.
Kerzenwechsel, Vergaserreinigung, Ablassen von Kraftstoff aus dem Leitungssystem, Verdacht auf Kondenswasser, Spiritus zum Binden.
Gegen 10.00 Uhr gewinnen wir den Eindruck, dass wir den Motor im Griff haben, wir wollen ablegen, aber die BOE rührt sich nicht. Mit beiden Winschen und kräftigem Schaukeln ziehen wir uns aus der Box und hinterlassen auf Liegeplatz 82 (Achtung - nie wieder dort anlegen!!!) eine ca. 20 cm tiefe Schleifspur des Kieles. Für das schweißtreibende Hinauswinschen brauchten wir etwa eine halbe, das „Hafenkino“ bewegende Stunde.
Mit Motor rückwärts gegen den leichten Südwind, nach dem Umkuppeln keine Schraubenwirkung!!!
Die Vermutung, dass der Scherstift am Propeller abgeschert ist, bestätigte sich bald. Schnell war die Genua ausgerollt, aber wir können das Fahrwasser nicht anliegen, müßten bei dem leichten Wind kreuzen, also zurück zu einem Festmacherpfahl „gerudert“.
Motor ausgebaut - Scherstift ausgewechselt - Motor eingebaut - ca. 30 Minuten.
11.30 Uhr mit Motor abgelegt, mit fast Vollgas schiebt uns der Motor durch alle Fahrwasserkrümmungen bis Höhe Dranske zum ersten nennenswerten Windstrich aus SW.
13.00 Uhr, da das Mittag (Gemüsereis) fertig ist, Motor aus, Genua auf Bb ausgebaumt, wir treiben mit 1 kn, gerade gemütlich, um zu essen. Mittagszeit mit Rotwein, Sonne und abkühlenden Wassergüssen an Deck genossen.
15.00 Uhr erreicht mich vor Nonnewitz SMS von Inge. Mein Professor braucht und sucht den Betonprüfhammer für eine gutachterliche Betonfestigkeitsprüfung auf der Oie- mehrere Telefonate, aber ich kann ihm nicht helfen.
Versuche, mit Bungeroths auf dem Zeltplatz Nonnewitz Verbindung aufzunehmen mißlingen. Laufen seit Rehbergort im geringen Abstand zur Küste mit Tri-Spinnaker auf Bb-Bug bei W2 mit ca. 3 kn und hätten bei ihnen eine Kaffeepause einlegen können.
Ab Möwenort kommt der Windhauch aus Ost, wir müssen kreuzen.
18.30 Uhr Arkona Stb querab bei KpK 90° hoch am Wind auf Bb-Bug, Abstand ca. 3 sm; laufen wieder 3,5 ... 4 kn. Können Lohme allmählich immer besser anliegen, da der Wind westlich dreht.
20.45 Uhr nochmals Telefonat mit Inge, bei Sonnenuntergang hinter Arkona sind wir noch ca. 2,5 sm von Lohme entfernt. Wir wollen bei Tageslicht in den Hafen und bringen daher etwa 1,5 sm vor der Mole mit mehreren Kerzenwechseln bei Vollgas den Motor wieder zum Laufen und rauschen dann mit ca. 5 kn auf den hinter der Einfahrt liegenden Bagger (die riesige Mole wird weiter mit Steinblöcken auf der Westseite verstärkt) zu. Es bleibt aber genügend Raum, um sicher nach Bb zu den immens langen Liegeboxen zu gelangen. Beim Gaswegnehmen geht der Motor natürlich aus, aber die Boxenpfähle erreichen wir sicher. Es sind etliche Plätze frei.
Ca. 22.00 Uhr am Liegeplatz 13 fest. Erster Erkundungsgang die Treppen hinauf, kurz durch die Straßen und die vielen Stufen wieder hinab. Auf der Treppe kommen uns Vera Kudra mit Harald Lochotzke und sonstigem Anhang entgegen. Small talk - denn Vera war zu den Senatorenregatten schon mehrmals an Bord der BOE.
Spätes Abendessen.

Dienstag, 12.08.2003, Lohme

Die Frühaufsteher-Sicht auf die See hinaus ließ meinen Traum von einer Bornholmumrundung platzen - spiegelglatte See mit „Osthauch“ - und einen „Nichtmotor“! Hin würden wir wohl kommen, aber auch zurück???
Also beschäftige ich mich wieder mit dem Motor - vergeblich. Um den Schweiß abzuspülen suche ich mir am Steinstrand einen bekriechbaren Wasserzugang, eine köstliche Abkühlung.
Zum weiteren Frustabbau eine Wanderung zum berühmtesten Aussichtspunkt Deutschlands: Königsstuhl, und auch der Slawenburg am Herthasee statten wir einen Besuch ab. Eigentlich kein schlechter Ausgleich für einen verlorenen Segeltag.

Mittwoch, 13.08.2003, Lohme - Greifswalder Oie - Ruden

06.30 Uhr aufgewacht. Da gestern der Bagger die Hafeneinfahrt für unsere notwendigen Segelmanöver dichtgemacht hatte, müssen wir noch vor Arbeitsbeginn aus dem Hafen sein. Also schnell duschen und die Bauleitung vorgewarnt, dass wir mit Segelhilfe aus der Hafeneinfahrt treiben würden. Ein Windhauch kommt von der Treppe herab in Richtung See, die fast spiegelblank im Sonnenlicht glänzt.
07.15 Uhr Leinen los und in der Box gedreht. Segel gesetzt und mit Schwung in Richtung Hafenausfahrt, die wir langsam treibend erreichen, als der Bagger die Leinen löst. Der freundliche Steuermann des Baggerarbeitsbootes nimmt uns in Schlepp und räumt somit dem Bagger den Weg frei.
Wir versuchen auf Bb-Bug in Richtung NNO den Windstrich zu erreichen. HWN am Ruder, ich mache Frühstück, dass wir mit mehreren Wenden bis zum Erreichen des Königsstuhls ausdehnen und angesichts des von der Morgensonne angestrahlten Kreidefelsens mit einem kanadischen Whiskey abschließen. Inge angerufen - sie sitzt mit den kleinen Spanierinnen (Aina und Mireia) ebenfalls gerade am Frühstückstisch.
10.15 Uhr auf Stb-Bug, KpK 160°, hoch am Windhauch, Kollicker Ort Stb querab, 1,5 sm, treibend erreicht. Um uns herum reger Touristen-Ausflugsverkehr, im Wasser schwimmen an mehreren Stellen Bestattungsblumen!!! HWN lüftet jedesmal seine auf Hiddensee erstandene „Sonnenschutzmütze“.
11.00 Uhr nach dem Abwasch löse ich HWN am Ruder ab, Fahrt 0,5 kn. Wir lassen den Anblick dieser schönen Küste auf uns einwirken.
Beim Queren der Prorer Wiek auf Stb-Bug hoch am Wind, ca. 3 kn, Nordperd können wir gut anliegen, gibt es Mittag: Gulasch, Salzkartoffeln, Mischgemüse und Rotwein.
14.30 Uhr: 54° 23,57/13° 44,79; Sellin-Brücke Stb querab, endlich wieder ein herrliches Segeln mit zufriedenstellendem Speed.
15.20 Uhr Nordperd Stb querab, 2 sm, Kurs auf Hafen der Oie.
Ca. 17.00 Uhr im Nothafen der Oie fest, das Anlegen an den riesigen Festmachertonnen war etwas problematisch. Beim 2. Anlauf stieg ich auf die Tonne über, um den Festmacher durch den schweren Ring zu fädeln. Vor uns hatte bereits eine Yacht festgemacht, nach uns zwei weitere, darunter eine Sunrise31 CAPELLA aus Karlshagen, mit einem jungen Ehepaar und einem Geschwisterpärchen an Bord, auch dort stieg der etwa 10-jährige Junge auf die Tonne über und blieb dort allein zurück, weil sich der Vater mit ihm einen Spaß erlaubte und mehrmals um die Tonne herumfuhr. HWN bannte diesen Tonnen-Robinson auf Film.
Schlauchboot aufgepumpt und Schweiß auf dem Oie-Riff abgespült, danach Landgang auf der Oie (wir sind beide zum ersten Mal hier, hhmmm!!! leckere Brombeeren) beim Zurückblicken auf den westlichen Himmel schleunigst abgebrochen. Eine riesige Gewitterfront war zu sehen. Schon der Hafenmeister hatte uns vor einem Wetterumschwung gewarnt und uns geraten, den Hafen zu verlassen. Ohne Motor würden wir bei westlichen Starkwinden nicht mehr aus dem Hafen kommen.
18.30 Uhr, auch die CAPELLA bricht mit uns auf. Wir baten den Skipper - da Totenflaute - uns bis zum ersten Tonnenpaar zu schleppen, er bot uns an, uns bis zum Ruden mitzunehmen. Schon am ersten Tonnenpaar blies es fast orkanartig aus West, die CAPELLA hatte sichtlich Mühe mit uns im Schlepp. Uns umwehten die Abgase eines stark erwärmten Dieselmotors, der zwar kräftig röhrte, uns aber nur mit 2 kn voranbrachte.
Mehrmals überschlug sich hinter uns das vom Sturm wie ein Drachen angehobene Schlauchboot, welches wir wegen des plötzlichen Aufbruchs nicht mehr einpacken konnten. Nur mit Mühe gelang es mir, es an unserem Heck im Windschatten sicher festzulaschen. Ab der Hafen-Ansteuerungstonne mit halbem Wind, KpK 215°, CAPELLA mit ca. 2 qm der Rollfock als Stützsegel, ca. 5 - 6 kn Fahrt, der Skipper versteht sein Handwerk und kennt sich im Revier gut aus, trotzdem bin ich ständig bereit für ein Kappen der Schleppverbindung, trotz weniger als 2 m Wassertiefe westlich von uns, machen uns steile, brechende Wellenkämme arg zu schaffen.
21.30 Uhr auf dem Ruden an der Südpier im Päckchen neben einer etwas verwahrlosten Stralsunder Yacht fest. Bei der CAPELLA mit Rotweinflasche und Einladung zu einem Klönabend auf der BOE bedankt. HWN war sehr erleichtert, im sicheren Hafen die Nacht verbringen zu können, ich natürlich auch.
Letztes Tageslicht für einen kleinen Inselrundgang genutzt. Kleines Abendessen.
Anschließend netter Ausklang und Tourauswertung mit 2 Flaschen Rotwein, Schokolade und Käsehappen. Wie ich, hatte auch der CAPELLA-Skipper an ein Kappen der Leine gedacht; um darauf vorbereitet zu sein, hatte ich noch vor dem ersten Tonnenpaar angesichts der scheinbaren Motorüberlastung in das Großsegel ein Reff eingebunden. Für HWN war dieser orkanartige Gewittersturm die Feuertaufe, auf dem Wasser hat er so etwas noch nicht erlebt. Der Skipper der CAPELLA will in unserer Nähe einen Jollenkreuzer gesehen haben, der plötzlich verschwunden war!???
Gegen 01.00 Uhr Nachtruhe - unruhig, da abwechselnd über das Schnarchen des jeweiligen Anderen wach.
Übrigens - auf dem Ruden gibt es einen Stützpunkt der Kreuzerabteilung des DSV, Liegegebühren werden nicht kassiert, dafür nimmt man wohl Spenden dankend entgegen.

Donnerstag, 14.08.2003, Ruden - Lauterbach

Ca. 07.00 Uhr hält mich das Bäumerauschen nicht mehr in der Koje. An der Westküste in einer Lücke des den Ruden umgebenden Steinwalles im stürmischen Bodden (warm!) gebadet. Inselrundgang - schade und ein Minus für die Kreuzerabteilung, die Insel ist nicht nur in den NVA-Hinterlassenschaften verwahrlost, auch die Trockenklosetts sind vollgeschissen.
Beim ausgiebigen Frühstück erkläre ich HWN, dass ein W 7 für die BOE ein ganz verträglicher Wind sei. Er möchte am liebsten im Hafen auf besseres Wetter warten, aber am Sonnabend müssen wir ja in Stralsund sein und Lauterbach ist bei diesem Wetter der nächste logische Etappenort, wenn man keinen Motor hat.
Wir wechseln die Genua gegen die FockII, binden das 1.Großreff neu und packen das Schlauchboot ein.
Gegen 11.30 Uhr legen wir mit Groß und Fock ab, sicher eine Augenweide für die motorverwöhnten und besserwetterabwartenden Hafenlieger. Außerhalb der Baumabdeckung merken wir, dass uns ein harter Ritt erwartet, aber erst einmal laufen wir im Landschutz. Zuerst mit leichtem Schrick ca. 6 kn, dann mit 3 Kreuzschlägen umrunden wir die Südspitze des Ruden. Da wir Vilm auf Stb-Bug fast anliegen können, entscheide ich mich für die nördliche Boddenroute, am Schuhmacher- und Boetchergrund vorbei.
Gute Sicht, jagende Wolkenbänke, WNW 7-8, im tieferen Wasser ca. 2 m hohe, steile und brechende Wellen. Lasse HWN bis Groß-Zicker steuern, machen hoch am Wind gute Fahrt, ca. 6 kn.
An der Fahrwassertonne nach Gager müssen wir das erste Mal wenden, KpK ca.220°. HWN fehlt die Routine für ein effektives Steuern bei solchen Seegangsverhältnissen. Die BOE kracht oft in die Wellen, die Vorschiffslast entleert sich allmählich in den Salon. Mastdurchführung und Bb-Pütting lecken, auch durch den Niedergang leckt Spritzwasser. Wir werden permanent von warmen Duschen überschüttet. Im Salon sieht es allmählich chaotisch aus. 2 Kreuzschläge bis Tn Reddevitz, Anruf von Inge, sie hört, wie es um uns lärmt.
Entlang Fahrwasser durch die Stresower Bucht, nun schon im Landschutz um Vilm herum nach Lauterbach - Kreuzen mit Echolothilfe, Orientierung die 4m-Tiefenlinie, gut, dass wir so vorsichtig waren und dadurch natürlich öfter über Stag gehen mussten!
Ca. 15.20 Uhr Anlegen auf Legerwall in der Boxenreihe auf der Hafenostseite, der Wind drückt uns auf die Pfähle, aber wir können mit solchen Situationen umgehen, HWN ist eine gute Hilfe.
Während HWN uns im Marina-Office anmeldet, Duschmarken mitbringt, Brot, Rotwein (1 Flasche gedacht als Schlepphilfe durch Ziegelgrabenbrücke) und leckere Flundern einkauft, mache ich „Mittag“: Bratkartoffeln, Spiegeleier, span. Olivensalat, Salzgurken (die Heinz frisch mitbringt), Rotwein und räume im Schiff auf.
16.15 Uhr sitzen wir erschöpft, aber glücklich am Salontisch beim Essen. Danach lasse ich mich von HWN zu einem doppelten Doppelkümmel in der Schauräucherei am Hafen einladen. Dabei werten wir den Törn aus und dass wir keinen Spinnakerbaum mehr haben - irgendwo vor Thiessow müssen wir ihn unbemerkt versenkt haben, auch der Bootshaken wollte sich aus seinem Großbaumlager verabschieden, aber das lag in unserem Blickfeld. Irgendwie hatten alle ungesicherten Gegenstände den Trend nach achtern zu hopsen, das schwere Schlauchboot lag unter dem Salontisch, darunter alle Leinen und Segel aus dem Vorschiff.
HWN hat endlich mehr Vertrauen zum Durchhaltevermögen der BOE und dass man auch ohne Motor bei widrigen Winden zum Ziel gelangt. Die Auswertung setzen wir an Bord bis ca. 01.00 Uhr bei Rotwein fort. Wir sind zufrieden.

Freitag, 15.08.2003, Lauterbach - Stralsund

Trotz kurzer Nacht bin ich gegen 07.00 Uhr nicht mehr in der Koje zu halten. Der Sturm hat zugelegt und pfeift in der Takelage. Wir gehen Duschen. Dann frühstücken wir im Salon gemütlich, machen Klarschiff und verstauen alle Dinge unter Deck möglichst „hopsfest“ - Schlauchboot und Segel werden mit Leinen gesichert.
Sonne, Sturmwolken! Sicht gut.
Zum ersten Mal hole ich die Sturmfock von Schipper Wolff aus dem Segelsack, sie sieht am Vorstag richtig gut aus, nur der Drahtvorläufer ist nun natürlich zu kurz, das Fall wird sich recken, aber das Segel wird ja durch die Stagnut gehalten, es wird wohl gehen. Im Groß lassen wir das 1. Reff.
Ca. 11.00 Uhr beginnen wir mit dem Ablegen, dem Drehen der BOE in den Boxen, die Nebenlieger sind zum Glück schon weg. Der Winddruck ist hier im Hafen noch so stark, dass wir Schwierigkeiten mit unserem Heck in Richtung einer österreichischen Nachbaryacht bekommen, der Skipper hilft uns vom Steg aus, den BOE-Bug in die Windrichtung zu ziehen. Wir brauchen 3 Boxen und hängen nach 10 min an einem Pfahl in Windrichtung.
Ruder fixiert und dann holen wir am Luv- und Leepfahl ordentlich Schwung, der Österreicher ist mit unserem Manöver zufrieden und spendet uns Beifall. Die Sturmfock steht natürlich fix ausgerollt und zieht uns erstaunlich schnell bei halbem Wind aus den Hafen. Kurz nach der Hafenausfahrt zum Großsetzen einen Aufschießer und dann geht mit einem leichten Schrick auf Bb-Bug „die Post ab“ in Richtung Zudar. Mit über 6 kn holen wir mühelos eine Dehler 34 ein, die sich mit qualmenden Motor in dieselbe Richtung bewegt. Trotz Landschutz, dass Ufer ist ja nur 2 sm weg, deckt uns die Gicht brechender Wellen permanent ein. HWN hat schon wieder eine skeptische Miene. Eingeklemmt auf der hohen Kante am Ruder macht mir diese Höllenfahrt aber sichtlich Spaß und das überträgt sich nach kurzer Zeit auch auf meinen Mitsegler, ab und zu zeigt er mir den Daumen - nach oben!!!
Am Steilufer vom Zudar würde ich gerne unter Land laufen und das Groß weiter reffen. Ich schätze den Wind auf WNW 8, in den Böen bis 10 bft, die in der Regel rechtsdrehend einfallen. Dann krängen wir auf Bb bis zum Setzbord bis ich die BOE mit Schrick und S-Wölbung im Groß wieder hochgeluvt habe. Die Schot fahre ich aus der Hand. Mit dieser Besegelung zeigt das Boot doch hervorragende Qualitäten, auch das Einsetzen in diese flachen aber steilen „Hackwellen“ ist meist weich, die Frequenz läßt aber wieder alle losen Gegenstände nach achtern wandern.
12.30 Uhr Palmerort-Rinne, Tn 3 erreicht und nun wird es interessant - 2 m-Wellen im Sund und das auf einer Kreuz, unser Winkel beträgt 110°, aber der Strom wandelt unseren 4 kn-Vortrieb nur in kleine Fortschritte an der Uferlinie. Mit unserem Echolot reizen wir die 4 m-Tiefenlinie des Fahrwassers voll aus, zum Glück, einmal zeigte es beim Wenden nur 3,1 m an, was mit 30 Zentimeter weniger auf Legerwall für uns fatale Folgen gehabt hätte. Am bewaldeten Westufer vor der Glewitzer Fähre suchten wir für eine Mittagspause einen Ankerplatz und „parkten“ auf einem 2,8 m-Grundstück!!!
Verflucht, wer stellt da am Echolot rum, ohne dabei die wahre Wassertiefe zu messen!!???
Ein Fehler von 1,3 m - wie leicht führt das bei solchem Wetter zum Totalverlust! Nun mache ich mir Vorwürfe, dass ich vertrauensselig das Echolot nicht kontrolliert habe.
Im „Windschutz“ auf mit Handlot gemessenen 2,1 m Wassertiefe werfen wir unseren Badeanker, der uns an der 30 m-Leine gut hält, später hatten wir zu zweit Mühe, ihn gegen den Winddruck auf das Rigg wieder aus den tonigen Grund zu brechen. Noch vor dem Essen justieren wir das Echolot neu.
Als Mittag gab es die leckeren Räucherflundern aus Lauterbach, Bier und heißen Rotwein-Tee. Bei der Zwischenauswertung dieser ersten Etappe zeigte sich HWN schon wesentlich lockerer und sichtlich davon beeindruckt, dass man bei mehr als 8 bft von vorn auch noch vorankommt. Ca. 1 ½ Stunde relaxen wir und binden das fällige 2. Reff ins Großsegel.
Aber wir beginnen nur mit der kleinen Fock zu kreuzen, und das geht erstaunlich gut, wir laufen annähernd dieselbe Höhe und das GPS zeigt wieder über 4 kn Fahrt (über Grund!!!) an.
Und der Stress ist gleich Null!!!
An den Schoten braucht man nur wenig zu reißen. Wie wir später erfahren, haben in Stahlbrode etliche Leute unsere Sturm-Sund-Kreuzerei kommentiert. Im ganzen Umkreis waren auch nur wenige (Motor-)Segelboote zu sehen, ab und zu kamen uns mit Rauschfahrt und wenig ausgedrehtem Vorsegel Yachten entgegen, auf die wir dann auch noch aufpassen mussten, sie fuhren ja auf der rechten Fahrwasserseite!!! Mit achterlichem Wind zogen manche uns entgegenkommend den Motor vor, eine üble Schaukelei.
Am Goldberger Haken gelingt es uns wieder einen Schotüberläufer auf Bb-Bug zu produzieren bei 5 Lagen. Selbst mit der Stb-Winsch konnte ich diesen Überläufer nicht mehr ausbrechen, soviel Schotzug entwickelte die kleine Sturmfock. Also zurück! HWN ans Ruder, beim Griff zum Messer ein Blick zum GPS - 7,5 kn!!! mit 6,5 m2. Nur schade um den mühsam errungenen Weg, aber der Speed ist berauschend.
Alles muss schnell gehen, Stb-Schot auf Bb umlegen, über Bb-Winsch umlenken und mit Stb-Winsch dichtholen, mit Messer zum Knoten am Schothorn - zum Glück war der Stb-Knoten im Auge der Erste - ein Knall! Die Schot um 10 cm kürzer. Fock eingerollt und zum wegsparenden Treiben, Boot quer zur Windrichtung gestellt. Alle Schoten eingefädelt, am Puddeminer Fahrwasser konnten wir wieder an die Kreuz gehen - Verlust 1,4 sm! Nach ca. 30 min lagen wir etwas über unserer „Unglücksstelle“.
Da der Wind auf 7-6 bft nachließ, setzten wir das 2-fach gereffte Großsegel und kreuzten der tiefstehenden Abendsonne entgegen. Ein Farbenspiel ringsum, tolle Licht-Schatten-Wirkungen durch die Wolkenbänke auf dem Wasser.
Nach den Hochspannungsmasten hatte das Echo einen Aussetzer, es blieb bei 3,5 m permanent (liegt das an der Tiefe von über 20 m?). Aber hier kannte ich mich doch noch recht gut aus, wir orientierten uns an den Tonnen. Nach dem Deviner Haken war alles wieder „im Lot“. Die Ziegelgrabenbrücke im letzten Abendlicht. Als wir am Yachthafen einen Pfahl „eingefangen“ hatten, öffnete die Brücke, aber von unserer Seite wollte niemand hindurch. Das Hafenmeister-Ehepaar empfing uns mit Taschenlampe auf dem Steg.
Nach dem Aufklaren besuchte ich den Hafenmeister im Büro, Liegegeld = 5,40 EUR, kein Strom, aber noch funktionierende Sanitärräume - der Hafen soll ja zum Dänholm verlegt werden, in das Marinegelände am Dänholm-Kanal, für den Verein aus meiner Sicht ein Glücksfall. Inge angerufen und beruhigt, im Sund konnten wir nicht miteinander reden, da gab es zu viel Lärm.
„ Ausklang“ mit einem guten Rotwein und Abendessen bis Mitternacht.

Sonnabend, 16.08.2003, Stralsund Yachthafen - Nordmole

Schon 06.30 Uhr suchte ich im Waschraum und auf den Stegen nach „schleppwilligen“ Seglern. 07.20 Uhr zur ersten Öffnung war auf unserer Seite noch Ruhe, niemand wollte gegen den Wind, aber vom Hafen kam schon ein kleines Rudel in Richtung Ost, vom Sturm war nicht viel übrig geblieben.
Ein Folkebootsegler mit 5 PS-Außenborder erklärte sich für 09.20 Uhr bereit, uns zu helfen. Ansonsten fühlte sich niemand angesprochen, obwohl dann bei der Brückenöffnung doch mehr als 10 Yachten mit uns die Brücke passierten.
Gegen 08.00 Uhr halfen wir mit Hintergedanken der aus Osten kommenden Boddstedter Zeese „Nordstern“ beim Anlegen. Ein richtiger Seebär von Skipper erklärte sich sofort bereit, uns zur Nordmole zu ziehen - er hatte im Stahlbroder Hafen uns mit anderen als „verrückt“ erklärt, aber wohl auch unser kleines Bötchen bewundert. Wir konnten also ganz beruhigt frühstücken.
09.00 Uhr mit Sturmfock abgelegt, auch bei leichtem Wind blieben wir damit manövrierfähig. 15 Minuten später nimmt uns die Zeese auf den Haken. Wieder kommt ein schier endloses „Rudel“ durch die Brücke, um den sonnigen Osten zu erleben.
10.00 Uhr auf Platz H16 mit Aufschießer hinter einer Motoryacht aus Bremerhaven fest. Als der Eigner mich fragte, ob ich das Schild außen „10 m - 13,5 m“ nicht gesehen hätte, machte ich mich mit ihm bekannt. Ich fragte ihn, ob er Hafenmeister sei, später lud ich ihn zu einem Mineralwasser in die Kajüte der BOE ein, nachdem er einer „Oceanic 311“, die neben uns anlegte, dieselbe Frage gestellt hatte, obwohl er die vielen freien Plätze eigentlich nicht übersehen konnte.
Also, der Motorkutscher der AURIGA ist 75 Jahre alt, hat Schiffbau (so wie ich) gelernt, hat sein Leben lang gesegelt (so wie ich auch), elf gebrauchte Boote aufgebessert und „vergoldet“ (da kann ich nicht mithalten) und ist als Kapitän und 20 Jahre als Lotse zur See gefahren. Mich hat er aber nicht zur Motoryachtbesichtigung eingeladen!!!
Ca.11.00 Uhr tauchen Rosi und Ali am Steg auf. Wir trinken nochmals Tee. Gegen 12.00 Uhr bin ich dann wieder allein und lasse die „Seele baumeln“. Auf der Mole treffe ich den Hafenmeister (9,50 EUR Liegegebühren) und Paul Lehmann und entdecke dann natürlich auch gleich die HERZDAME, die an einem Steg außen ganz in unserer Nähe liegt. Paul und Martin leisten mir dann vor dem Ablegen um 18.00 Uhr auf der BOE etwas Gesellschaft beim letzten Bier, heißen Tee, Kaffee und Keksen.
Bis Mitternacht erfüllt lärmender Beat das Hafengelände und dann knallt und blitzt und leuchtet ein Feuerwerk vom Molenkopf - Stralsunder Hafenfest!!!

Sonntag, 17.08.2003, Stralsund – Vitte (Lange Ort)

Bernd Lange
Elisabeth Maier
Michael Kuntz
Melanie Sommermeyer (Gast, 17./18.08.2003)
Marc-Oliver Kühle (Gast, 17./18.08.2003)

Um 7.00 Uhr zieht das Sonnenlicht BL an Deck, kaum Wolken und ein leichter … „Wind“ – nehme ich mal an (Bernd ist von Vitte schon wieder nach Hause gefahren, am Montagmorgen!!!, da wir nicht mehr rechtzeitig zur letzten Fähre in Vitte waren)… aber wir haben sie noch ablegen sehen, und deshalb schreibe ich (Lieschen) jetzt weiter.
Aber der Reihe nach.
BL hat das Boot aufgeklart und auf seine Mitsegler gewartet, die ca. 13.15 Uhr in Stralsund ankommen. Nach dem Ausladen, Gepäck an Bord bringen und Wegparken der Autos legen wir dann 14.30 Uhr bei schönem Wetter und ca. 3 bft ab. Da der Wind wie erwartet von vorn (NW) kommt, kreuzen wir so langsam über den Sund. Die Zeit vergeht wie im Fluge beim Klönen und Sonne-Genießen, der Wind wird immer flauer, spätestens gegen 18.00 Uhr auf Höhe von Ummanz wird klar, das wir aus eigener Kraft nicht mehr im Hellen nach Vitte kommen – die Fähre für BL ist abgehakt. Nach Überlegungen über geeignete Ankerplätze für die Nacht kommt von achtern der Jollenkreuzer SUSI – jetzt unter Motor auf, zuvor war er eifrig mit uns gekreuzt. Er nimmt uns in Schlepp, der Außenborder läuft jedoch auch nicht perfekt, so dass wir einen größeren Segler (eine LM mit Heimathafen Vitte) um Hilfe bitten. Der schleppt uns dann mit Wahnsinnsgeschwindigkeit – ehrlich – bis Vitte, Abzweig Seglerhafen, da er natürlich zum Hafensteg will. Sein freundliches Angebot, uns auch noch bis zum Seglerhafen zu schleppen, lehnen wir - angesichts der uns entgegenkommenden letzten Fähre und da eine leichte Brise zu wehen scheint - dankend ab.
Ach so, noch eine kleine Episode für die Segelscheininhaber, die nicht vergessen werden soll, kurz vor einer unausweichlichen Begegnung mit der „Enten“-Polizei im Hauptfahrwasser bittet unser Schlepperführer BL ein Zeichen für ein manövrierunfähiges Fahrzeug zu setzen. Wir haben aber nur einen schwarzen Ball, den BL - leicht irritiert vor sich hinmurmelnd, aber eiligst - an das Unterwant bindet, sehr zum Ärger oder Belustigung(?) der Entenpolizei – wir sollten mal den Ball schleunigst wieder runter nehmen – haben wir gemacht!
Ca. 20.00 Uhr, reagierend auf laute Hinweise von Manner (Lack), am alten Innensteg fest, nachdem wir uns noch einmal ein Stück von einer XY-Jolle schleppen ließen und das letzte Ende an den Stegköpfen vorbei schaukelnd vorwärts bewegt hatten. Die Hafenkino-Zuschauer waren selbstverständlich äußerst belustigt, aber damit mussten wir leben – wenn der Motor nicht will – wie immer auf der BOE! Passt halt einfach nicht zusammen!
Langsam kam der Hunger, denn unterwegs gab es nur Tee und Kuchen.
Der Abend klang sehr gemütlich im „Wieseneck“ bei Knoblauchsuppe – sehr lecker – und diversen anderen Nahrungsmitteln aus. Wieder an Bord kriechen wir alle müde in die Kojen, Bernd im Vorschiff, er will ganz früh zur ersten Fähre, die Jungen in die Hundekojen, die Damen im Salon. Gute Nacht!

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