• Akademischer Segler-Verein zu Rostock e.V.,Uferpromenade 1, 18147 Rostock

Urlaubstörn Rund Bornholm

Bernd Lange
Felix Gumpert (Enkel)
Christine Gumpert (bis Schaprode)
Eike Schwarz (Gast)

Sonntag, 31.07. 2005    Vitte — Schaprode — Sassnitz
Strahlend schön begann der Tag. Es herrschte ein leichter Westwind, nachdem am Sonnabend ein WSW 6 bei schönstem Sonnenschein für eine tolle Badebrandung gesorgt hatte.
05.00 Uhr klingelten auf der BOE zwei Handy-Wecker. Inge wollte um 07.00 Uhr mit der Fähre nach Stralsund und noch einmal wie üblich den Tag mit einem „Schönheitsbad“ in der Ostsee am Vitter Weststrand beginnen.

05.30 Uhr tauchten Inge und Bernd in den Fluten unter, im Wasser war es wärmer als in der Luft.
06.00 Uhr gab es für Inge dann das Abschiedsfrühstück und eine halbe Stunde später brachten Christine und Bernd die gepäcklose Mutter/Ehefrau zum Schiff. Inge brauchte nur ihr Fahrrad mitnehmen, ihr Gepäck wollte Tine ab Schaprode befördern.
Nach dem „tränenreichen“ Abschied radelten Tochter und Vater zum letzten Mal zum Bäcker Kasten, um Brötchen und die einmalig leckeren Kirschschnecken zu holen und zum Fischer Thürke, um Frischfisch zu kaufen. Willi, der bekannte „Fernsehstar“ aus einer ARD-Sendung, war gerade beim Aufspießen vieler Aale. Nach dem Einhängen derselben in seinen Räucherofen und einem munteren, netten Snack über das Leben der Hiddenseer und das gestrige, sehr laute Hafenfest, überließ er uns 3 große, bratfertige Flundern für 2,- Euro!!! Frühstück draußen in der Sonne ohne störendes Überzelt, BL hatte bereits mit dem Seeklarmachen begonnen. Während Tine und Felix nochmals baden gingen, packte er das Schlauchboot ein und montierte problemlos in wenigen Minuten den Außenbordmotor. Dieser war gut von Holger unter dem Cockpit verstaut worden und sprang nach 4 Ruhewochen sofort an!!!
Ca. 10.30 Uhr verabschiedeten wir uns von unseren Nachbarn, der kessen Lyschik-Tochter und ihrem netten fürsorglichen Freund und von Eddie und Klaus und legten mit Motorhilfe ab.
Woher kommt der Wind? Natürlich von vorn und sehr kräftig, Süd 3-4. Also mit Motor gegenan. Wo es geht, lassen wir die Genua mitziehen.
Ca. 12.15 Uhr in Schaprode an einem Steg der Marina fest. Mehrmals Handy-Kontakt mit Eike Schwarz und Familie, sie kommen von ihrem Urlaubsort auf Poel. Ca. 20 Minuten später biegt ihr Volvo um die Kurve.
Tine hatte die Flundern schon gebraten, Cappuccino und Gebäck für uns alle (8 Personen) bereit. Natürlich musste die BOE besichtigt und das Gepäck in Tines Auto umgeladen werden. Das dauerte, weil das Auto nach tagelangem Parklicht nicht mehr fahrbereit war und nur mit fremder Hilfe (Starterkabel) wieder ansprang. BL drängelte, er wollte so früh wie möglich los und beschloss, das notwendige Benzin für den Außenborder in Sassnitz zu besorgen.
14.00 Uhr Ablegen — Groß und Genua. Der achterliche Wind wird vor der Fährinsel so schwach, dass uns der Motor bis zum Rassowstrom schieben muss.
15.00 Uhr am Fahrwasserabzweig nach Vitte und Kloster.
16.00 Uhr Dranske Stb querab 1,5 sm; 6,3 kn; halber Wind 4-5 aus OSO; über Rügen und Hiddensee türmen sich Gewitterwolken auf, aber über und vor uns liegt ein großes blaues Himmelsloch.
17.55 Uhr KpK 70°; SO 5; Arkona Stb querab 2 sm. Über Rügen und Stubbenkammer riesige Wolkentürme, auch hinter uns zieht ein Gewitter auf, wir laufen auf Bb-Bug weiter und versuchen zu entkommen.
18.30 Uhr in Erwartung der Gewitterböen Genua eingerollt, Motor gestartet und Groß zum Reffen geborgen.
18.40 Uhr Groß mit 1. Reff gesetzt, Gewitterschauer, kaum Sicht, SG 2-3; Felix „opfert“ leicht und erhält von Eike ein Superpep-Kaugummi — eine richtige „Wunderwaffe“ gegen Seekrankheit. Nun stellt sich heraus, dass die beiden kein richtiges Wetterzeug haben, sie sind schnell bis auf die Haut durchnässt.
19.30 Uhr Wende auf Stb-Bug; KpK 210°, laufen auf Lohme zu.
20.30 Uhr Wende KpK130°, starke Winddrehungen. Wieder überfällt uns ein Gewitter mit starken Schauern und beeindruckenden Blitzen. Die Genua haben wir rechtzeitig eingerollt und setzen sie mehrmals zu 1/3 — das funktioniert.
Abendessen = Bananen und Stullen, vorher vor Stubbenkammer, der Stubnitz und Sassnitz viele Wenden.
00.00 Uhr passieren wir die Hafeneinfahrt von Sassnitz, der Wind steht genau drauf und hat im Hafenbecken eine üble Kabbelsee zur Folge. Wir suchen ganz hinten ein halbwegs geschütztes Plätzchen am baufälligen Fischkai in der Nähe des Hafenkontors.
00.30 Uhr schicken wir Felix in die Koje, wir beide klönen noch ein bisschen, endlich gibt es Sherry als „Absacker“, die Sherrytime musste ja ausfallen.

Montag, 01.08.2005 Sassnitz — Rønne
06.30 Uhr wandert BL mit 2 Benzinkanistern los zur Shell-Tankstelle am Stadtausgang an der B96. Im Hafen liegt vom KYC die Megayacht LOFTFERI, die rührt sich kaum im Hafenschwell. Mit 10 Liter Super und Brötchen ist er um
ca. 08.00 Uhr wieder an Bord, dort rührte sich aber noch gar nichts, worüber BL etwas „stinkig“ wird angesichts der vielen Meilen bis Bornholm.
Ca. 11.30 Uhr beenden wir das Frühstück und beginnen mit dem Seeklarmachen. Es weht mit 5-6 bft aus WSW, die Sonne scheint. Anstelle Genua setzen wir die Fock II.
Ca. 14.00 Uhr Ablegen mit Motor, noch vor der Hafenausfahrt setzen wir Groß und Fock; ROEN 51,7 sm, also ca. 9-10 Stunden.
15.00 Uhr telefoniert BL mit seinem angetrauten Weibe, erstmalig verbringen sie ihren Hochzeitstag getrennt.
15.30 Uhr 54°36,11 / 14°01,58; ROEN 37,5 sm; rwK 36°; KpK 42°; WSW 5-7; Himmel halb bedeckt; mäßige Sicht; Welle schräg von Bb achtern, ca . 1-2 m hoch. Rauschefahrt mit 6,5 bis 9,2 kn, meistens über 8 kn. Eike steuert und macht es gut.

BL muss aus der Bilge das Wasser aus dem überlaufenden Klo (wellenabwärts auf Bb-Bug und Seeventile offen!!!) feudeln. Danach serviert er Käsebrötchen. Felix benötigt letztmalig ein Superpep.
16.30 Uhr BL demonstriert eine Halse und steuert nun auf Stb-Bug etwas höher am Wind und Eike ruht ab, die BOE wird von den zunehmenden Wellen mehrmals angeluvt. Wir wollen westlich und dann nördlich am Adlergrund vorbei, aber als Eike gegen
17.00 Uhr die Position bestimmt, laufen (und manchmal surfen) wir immer noch mit 6,8 bis 12,1 kn auf das Flachwasser zu. Also konsequent Nord gesteuert.
18.30 Uhr 54°51,98 / 14°21,93; 13 m Wassertiefe, die flacheren Stellen bleiben rechts neben uns; ROEN 18,0 sm; rwK 38°; KpK im Mittel 42°; WSW 6-7 (8?); „Kaventsmänner“ von >3 m treiben uns voran; .
BL kocht Tee und versorgt die Mannschaft mit Prinzenrolle, allen geht es gut. Das Klo erweist sich bei diesen Seegangsverhältnissen erneut als „Segen“. Am Horizont ist Bornholm schon gut zu erkennen.
19.30 Uhr, die Seen werden insgesamt höher, im Durchschnitt 1,5 bis 2,5 m. Können nun etwas raumer auf Rønne zulaufen, die Wellen kommen mehr achterlich, es steuert sich einfacher, BL am Ruder.
1.00 Uhr, kurz vor der Hafeneinfahrt müssen wir das Einlaufen von 2 Fähren abwarten, Fock eingerollt, Motor an.
Ca. 21.40 Uhr im geschützten kleinen Badehaven in einer Box mit Heckpfählen fest, unser Kabel zum Handy-Laden (Eike) reicht gerade bis zur Steckdose. Felix macht uns Abendessen (Tomaten-Mozzarella). Das Bier schmeckt. Tagesauswertung: Felix hat sich sehr gut gehalten und sogar für das wechselvolle Schauspiel der von achtern hoch heranrollenden, manchmal brechenden Seen interessiert. Trotzdem wird er zur Einhaltung des Jugendschutzgesetzes bald in die Koje geschickt. ES und BL klönen noch bis Mitternacht „über Gott und die Welt“.

Dienstag, 02.08.2005 Rønne — Hasle — Vang
07.00 Uhr klopft ein recht junger Hafenabgabe-Eintreiber sehr lautstark an unseren Bugkorb, er nimmt auch Euro, also 16,- EUR (für 100 DKr und 2 Duschmarken, auf Hiddensee bei Olaf Thürke in besserer Lage und mit mehr Komfort ist es also fast preiswerter!).
Einmal wach begibt sich BL auf Erkundungstour — Tankstelle, Bäcker, Geldautomat?

Zum zweiten Mal ist BL beeindruckt, der Ortskern mit seinen kleinen hübschen, liebevoll blumendekorierten Häusern ist einfach sehenswert. Nach ca. 3 km Fußmarsch von Einwohnerhinweisen geleitet entdeckt er einen Bäcker (später stellt sich heraus, es war der am weitesten entfernte!) und wird arg enttäuscht. Die etwas träge wirkende Verkäuferin will keine Euro, auch an der Tankstelle wird er abgewiesen — Nationalstolz???
Also zurück quer durch die Stadt zur BOE.
Ca. 08.45 Uhr, nichts rührt sich an Bord. Noch etwas ärgerlicher kramt BL seine Geldkarte raus und macht sich wieder auf den Weg, holt im Stadtzentrum vom Automaten 700,- DKr und Brötchen.
Ca. 09.45 Uhr zurück an Bord — Eike und Felix scheinen nichts vom Aufstehen zu halten. Nun ist BL stinkig und macht sich etwas energisch Luft, das hilft.
Ca. 10.30 Uhr ist das schnell zubereitete Frühstück zu Ende. Um sein seelisches Gleichgewicht zurück zu holen, schickt BL Eike und Felix auf Stadtrundgang und entleert den zweiten Benzinkanister in den Tank. Der ist nun wieder voll. Von der nahen Tankstelle am Fährhafen beschafft er weitere 10 Liter Super, der Rückweg nach Vitte ist ja weit und besonders bei Westwind.
Felix ist schon zurück — er „kennt“ den Ort, war mit seinem Onkel vor einem Jahr auf dieser Insel. Nun denn, er muss beschäftigt werden, holt vom nahen Supermarkt Gehacktes für Spaghetti-Bolognese u.a. Lebensmittel, räumt aus dem Vorschiff die Segelsäcke und Polster zum Trocknen in die heiße Sonne und den mäßigen Wind aus WSW.
Eike bringt Espresso und Geld von seinem Stadtrundgang mit.
Ca. 13.00 Uhr hat BL das Mittag fertig — es schmeckt allen. Wenig später ist das Schiff seeklar.
13.30 Uhr legen wir mit Motor ab, es ist doch recht beengt in diesem kleinen Hafenbecken. Aber noch vor der Hafenausfahrt sind die Segel oben, niemand behindert uns beim Hinaussegeln. Mit guter Backstagsbrise segeln wir bei SG 1 in Ufernähe Richtung NW und erfreuen uns an der abwechslungsreichen Küstenlandschaft mit den inseltypischen Räucherhäusern.
Hasle reizt uns so, dass wir es uns etwas näher ansehen wollen. Ein Blick ins Hafenhandbuch zeigt, dass dies bei diesem Wind auch unter Segel sehr leicht möglich sein muss, der Hafen ist weiträumig genug, um in Ruhe manövrieren zu können. Also biegen wir ab und segeln

ca. 15.00 Uhr gemütlich in den Hafen hinein und mit zwei Halsen und zwei Wenden darin entlang und wieder hinaus. Ein Hafen und Ort, der eigentlich zum Verweilen einlädt, aber wir wollen nach Vang, wo laut Hafenhandbuch in der Hochsaison kaum Platz zum Anlegen sein soll. In Hasle ist noch viel Platz, zur Not können wir ja zurückkommen.
16.15 Uhr, die Hafeneinfahrt und -ansteuerung von Vang ist ca. 1 sm entfernt gut auszumachen, Platz scheint auch zu sein, nur wenige Masten. Kurz vor der Einfahrt bergen wir die Segel und laufen mit Motor in diesen kleinen engen Hafen hinein und gratulieren uns zu diesem Entschluss, sehr hübsch und ein guter Ausgangspunkt für eine Wanderung zur Burgruine Hammerhus.
16.30 Uhr längsseits an der noch freien nördlichen Fingerpier mit Hilfe freundlicher älterer Herren fest, die uns sofort 70 DKr „Lystfartøjsafgift“ abnehmen. Parallel zu uns liegen 4 Jachten, mit dem Bug zur Pier und achtern von auf dem Grund liegenden Mooringleinen gehalten. Die pickt man also an der Pier mit dem Bootshaken auf und zieht sie vom Grund hoch (ein System, welches Eike vom Mittelmeer bekannt ist und wir auch in Christiansø wiederfinden).

Kurz nach dem Anlegen macht sich BL mit seinem Enkel auf, die scheinbar nahe Burg zu „erobern“. Eike verzichtet auf den zu erwartenden Gewaltmarsch bergauf und bergab entlang der Steilküste. Nun, da bis zum Sonnenuntergang wenig Zeit bleibt, können die beiden nur hin und wieder verweilen und die schöne Aussicht hinaus auf See genießen und von den zucker-herb-süßen Früchten der zahlreichen, wilden Weichselkirschbäume naschen. Mehr joggend als wandernd erreichen sie die Ruine nach einer knappen Stunde, besichtigen alle auf Tafeln beschriebenen historischen Überbleibsel und sind mit Sonnenuntergang wieder an Bord. Eike hatte sich auf der Hafenterasse sitzend die Zeit mit Telefonieren und an seinem PDA arbeitend vertrieben. Wieder ergreift BL für das späte Abendessen die Initiative.

Mittwoch, 03.08.2005 Vang — Allinge — Christiansø
BL’s Nörgelei trägt Früchte. Um
07.00 Uhr rappelt es in der Stb-Koje und ES geht duschen ( 5 DKr-Stücke). Felix wird wenig später von seinem Opa rausgepurrt und bereitet mit diesem das Frühstück vor.
08.30 Uhr wird reichlich gefrühstückt, neben Rührei und den üblichen, eigentlich immer an Bord vorhandenen Zutaten gibt es auch die von Felix im Supermarkt gekaufte kalorienreduzierte dänische Marmelade, nun, die ist gewöhnungsbedürftig! Eike zieht sich mit Kaffee versorgt zur Erledigung seiner Dienstgeschäfte wieder auf die Hafenterasse zurück.
10.30 Uhr Ablegen mit Motor, Felix lässt einen Fender ins Wasser fallen, mit Rückwärtsfahrt gerettet, ein Drehen in dieser Enge wäre sicher langwierig geworden. Auf See sofort Groß und Fock II gesetzt, Sonne, gute Sicht, 1021 hPa; WSW 3-(4); 3-4 kn; Felix am Ruder.
Schönes Segeln entlang der Felsenküste. Besonders von hier aus beeindruckt die Ruine von Hammerhus. Auch in Hammerhavnen liegen nur wenige Boote.
11.15 Uhr Hammerodde Stb querab 1 sm, KpK 100°. Beschließen nicht Tejn sondern Allinge zwecks Frischfisch- und Räucherfisch-Erwerb anzulaufen. Felix verliert erneut einen Fender, Eike am Ruder benötigt zwei Anläufe (mit Segel) für das MOB-Manöver.
12.15 Uhr in Allinge im Außenhafen fest, kurz nach der Fähre von Christiansø, die 12.30 Uhr dorthin zurück fährt. Reges Touristentreiben im Ort, viele Geschäfte und volle Gaststätten. Wir wollen zum Räucherhuus den Schildern nach, laufen in Wassernähe in Richtung Tejn, wundern uns über die gut mit Früchten behangenen Feigenbäume und stöhnen über die Hitze.
300 m vom Hafen entfernt, entdecken wir die Nordbornholmer Fiskrýgerie, natürlich hinter uns. Felix und BL begeistern die Felsklippen und die schöne Aussicht, auch Christiansø ist gut zu sehen. In den Klippen entdecken wir eine natürliche „Badewanne“ — 2 tiefe Kolklöcher, durch eine flache Barriere vom Meer getrennt. BL fühlt sich schmutzig und schweißig und kann nicht widerstehen — er badet.
Nun auf dem Rückweg kaufen wir frische Flundern, Räuchermakrele, -lachs und Bornholmer Bücklinge, alles zusammen mehr als 2 Kilo für 167 DKr. An einer Eisdiele gibt es noch aus einer wirklich riesigen Auswahl für jeden leckeres Kugeleis.
13.45 Uhr Ablegen mit Motor, müssen im Hafen Kreise drehen, da uns in der engen Einfahrt ein großer Segelkutter entgegenkommt. Mit achterlichem Wind, die Fock ausgebaumt, segeln wir anfangs mit 5 kn Richtung Christiansø. Besinnliche Zeit für die Kaffeepause.
15.45 Uhr noch 4,82 sm bis CHOE, Wind schwach; 2,2 kn. Motor an — 4,5 kn!
Über Bornholm sehen wir eine dicke dunkelbraune Rauchwolke, wahrscheinlich brennt ein Rapsfeld und mittendrin ein Mähdrescher.
16.15 Uhr Sherry-time, angesichts der vor uns liegenden hübschen kleinen Inselgruppe berichtet Eike von seinen zwei Lieblingsinseln an der französischen Mittelmeerküste — Ile de Port Cros (eine Privatinsel) und Poqueroles und im weiteren von seinen diversen Chartertouren. BL musste in seine „dickste Haut“ schlüpfen, um nicht neidvoll über „sein verpfuschtes Seglerleben“ nachzudenken.
Ca. 16.45 Uhr durch die südwestliche Hafeneinfahrt. Im Hafen sind die wenigen Liegeplätze besetzt, es gibt auch schon mehrere 3-er-Päckchen. Niemand bietet uns an, längsseits zu gehen, obwohl wir hilfesuchend im Hafen kreisen. Erst auf direkte Anfrage in einem 2-er-Päckchen, machen wir als Dritte neben SINDBAD aus Stralsund auf der Stb-Seite fest. Innenlieger ist eine größere, schicke, gut gepflegte und bestens eingerichtete Holzyacht aus Schweden mit scheinbar wohlsituierten Gentleman-Pensionären an Bord.

Im klaren Hafenwasser sind auf dem Grund viele tote Heringe und Schollen und anderer Unrat zu sehen. Trotzdem begeistern uns die Inseln sofort.
Wir wollen baden — über die historische Schwenkbrücke zum Badesteg auf Frederiksø. Am Badesteg treffen wir auf Frauen mit Badeanzug. Wir hatten den Rundgang natürlich ohne Badehosen angetreten.

Also zurück an Bord, Badehosen holen, die wir letztendlich (bis auf den genierlichen Felix) in einer einsamen felsigen Badebucht der Hauptinsel doch nicht benutzen. Das Baden zwischen den Felsen macht viel Spaß, unter Wasser kann man gruselig tiefe Abgründe entdecken. Danach erkunden wir Christiansø mit seiner historischen Bausubstanz und den allgegenwärtigen Spuren der Vergangenheit. Es gibt viele Spatzen, die in den mörtellosen Felsmauern hervorragende Nistmöglichkeiten finden. Auf der Hauptinsel müssen wir darauf achten, nicht auf dicke Kröten zu treten und BL entdeckt in später Nacht sogar einen Igel vor der Gaststätte. Wie kommen Igel auf diese entlegene Insel???
Der Abend klingt aus mit einem großen Räucherfischessen, mit Bier (Felix natürlich Saft) und spanischem Weinbrand als „Verdauer“. Gegen
23.00 Uhr, also relativ früh in die Koje, Felix mit Handy-Weckauftrag für 06.00 Uhr.

Donnerstag, 04.08.2005 Christiansø — Rønne
Eigentlich hatten wir geplant, im Greifswalder Bodden anzukommen, aber wie schon mehrmals spielte uns Rasmus, obwohl wir traditionsgemäß den „ersten Schluck“ geopfert hatten, den gewohnten Streich — er kam aus WSW, das war also nicht einmal ein Anlieger.
Der Wecker hatte pünktlich „gesoundet“ — für die beiden Langschläfer FG und ES also zur tiefsten „Nachtzeit“.
07.00 Uhr Ablegen mit Motor. Sonne, W 3-(4); Groß und Fock II; Kurs Neksø; 4-5 kn. Felix steuert.

09.40 Uhr Svaneke Stb querab. Felix übt sich im Navigieren ohne GPS, nimmt eine Kreuzpeilung (Leuchtturm 310° und Mühle 210° von Arsdale) und trägt den Ort in die Karte ein, ca. 0,5 sm querab vom Land. KpK 180°. Wind abflauend, für die ungeübte Mannschaft gibt es eine Spi-Einweisung, danach setzt BL den Tri-Spinnaker.
Vor Neksø Flaute; Spi wieder weg und Motor an.
12.00 Uhr, Ankern auf 3m Wassertiefe in Strandnähe vor Dueodde, Baden ist angesagt. BL schrubbt dabei den Wasserpass und entdeckt am Rumpf keine Pocken!
12.55 Uhr hat Eike das Mittag fertig, 10 Minuten vorher Anker auf, da plötzlich kräftiger Wind aus Nord und heftiger Wellengang. Mit Motor langsame Fahrt in wechselnde Richtungen, da auch der Wind ständig dreht. Wahnsinnig viele Schlupfwespen bedecken Segel, Boot und uns. Wir schlagen mit Handtüchern wild um uns und versuchen mit größerer Fahrt zu entkommen. Der Wind kommt nun wieder stark auffrischend aus WSW. Die See wird zunehmend ruppig und in der Kombüse poltert alles durcheinander. Nur mit Mühe retten wir vereint das Mittag (Curryreis, Frikassé mit vielen Champignons und Früchtecocktail) vor dem Absturz.
Laufen zurück nach Nord in Landnähe, um in Ruhe essen zu können. Luftdruck von 1022 auf 1019 hPa gefallen.
13.30 Uhr nach Binden des 1. Reffs das Groß und Fock II zu 2/3 gesetzt.
13.40 Uhr Dueodde Stb querab 2sm; KpK 205°; WSW 5-6; ruppige See; Himmel halb bedeckt, der Wind dreht südlich.
14.30 Uhr KPK 185°; 5,6 kn; NOPD 53,5 sm, aber der Wind kommt direkt von dort!
15.00 Uhr ist BL mit dem Abwasch fertig. FG schläft fest in der Leekoje auf Bb.
15.45 Uhr: 54°48,69 / 14°59,69 — angesichts einer sehr langen Segelnacht beschließen wir wieder nach Rønne zu segeln und wenden auf Stb-Bug. Rønne 19,9 sm, rwK 327°; KpK 322°; 5,5 kn; ca. 2-3 m hohe Wellen aus unterschiedlichen Richtungen. Wir werden ziemlich oft geduscht. Eike hat kein geeignetes Ölzeug und ist schnell klitschnass, muss sich umziehen. Soll in der Kajüte bleiben. Auch Felix taucht mal kurz im Niedergang auf und schnell wieder ab. Abrupte Bootsbewegungen — Eike stößt sich beim Pinkeln auf dem Klo heftig den Kopf und verschüttet so „angeschlagen“ den frisch gebrühten Tee.

18.55 Uhr vor Arnager-Hafen. Ständige Ortsbestimmung mit dem GPS und Tiefe mit Echolot, um entlang der Untiefen zu segeln. Kurslinie parallel zur Küste, die Hafeneinfahrt von Rønne anliegend, Wind aus WNW.
19.35 Uhr Wende vor Untiefe Hadderev auf 6 m Wassertiefe, KpK 230° bis Süd-Untiefentonne.
19.50 Wende, vor Hafeneinfahrt Fock eingerollt.
20.15 Uhr Hafeneinfahrt, Eike hat Mühe bei achterlichem Wind und hohen achterlichen Seen das Boot nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Motor an.
20.30 Uhr am „alten Liegeplatz“ fest. Landanschluss für das Laden von Handys und den Bordscheinwerfer (zum evtl. erforderlichen Tonnensuchen). Abendessen und früh in die Kojen.

Freitag, 05.08.2005 Rønne — Glowe
05.00 Uhr klingelt Felix Handy-Wecker. BL geht kalt duschen, danach werden die Sturmfock angeschlagen und die üblichen Vorbereitungen für den erwarteten Starkwind aus W bis NW getroffen. Schnelles Frühstück.
06.15 Uhr Ablegen mit Motor rückwärts gegen den Wind, wir müssen drehen, BL führt den Bug auf der Pier, Eike am Ruder. Groß gesetzt, 1. Reff, Motor aus, im großen Hafen ist ja genug Platz zum Segeln.
06.25 Uhr Molenausfahrt, Sturmfock gesetzt. WNW 4, Himmel halb bedeckt, diesig; NOPD 54,0 sm; rwK 215°; KpK 220°; 4 kn — BL will noch immer über Stralsund nach Vitte zurück. Felix am Ruder, Eike verkriecht sich wieder in die Koje. BL näht den abgerissenen Hosenträger an seinem Ölzeug an — ein weiser Entschluss, wie sich später zeigen wird.
06.40 Uhr Groß ausgerefft, ca. 5 kn.
08.10 Uhr NOPD 48 sm; KpK 220°; 2,5 kn; Wind schläft ein. BL kann sich nicht dazu entschließen , die Genua zu setzen, wartet auf den angekündigten Starkwind. Die Bornholm-Fähre nach Mukran passiert dicht an Stb, BL löst Felix am Ruder ab.
09.30 Uhr Fock eingerollt, Motor an, um „Höhe zu schinden“. Mit Halbgas 5,5 kn; KpK 240°. Nördlich von uns zieht eine Regenwand durch.
10.00 Uhr der Wind dreht südlich und pendelt stark. Wende, Fock ausgerollt, KpK 280-310°. Felix stellt am GPS Arkona als neues Ziel ein. Übt sich in der Ortsbestimmung und trägt Ort und Kurs auf der Karte ein. Danach verholt auch er sich in die Koje, um Schlaf nachzuholen.
11.30 Uhr Eike taucht an Deck auf und übernimmt das Ruder. Endlich gibt es einen Sherry als Ableger. BL beginnt mit den Mittagsvorbereitungen.
12.00 Uhr 54°59,55 / 14°11,50; ARKO 31,8 sm; rwK 235°; KpK 295°; 4,9 kn. Über uns ein riesiges blaues Loch.
12.45 Uhr Mittag (Rouladen, Reis, Mischgemüse, Aprikosenkompott) fertig. Beigedreht auf klassische Art, um in Ruhe essen zu können.
13.00 Uhr wieder auf Kurs, Motor an.
13.25 Uhr 55°01,15 / 14°04,06; ARKO 29,4 sm; rwK 227°; KpK 290°; 5,2 kn. Noch scheint die Sonne!
14.30 Uhr 55°02,58 / 13°56,03; ARKO 27,2 sm; rwK 219°. Wende — KpK 170°; 4,2 kn.
14.45 Uhr Wende, ich warte auf eine günstige Winddrehung. KpK 290° — eine unmögliche Höhe am Wind bei schiebendem Motor; 4,9 kn; SW 2-3 bft.
16.00 Uhr 55°02,85 / 13°46,91; ARKO 24,3 sm; 4,0 kn; rwK 208°; KpK 245° — der Wind hat auf SSW gedreht. Es ist wie verhext, da wollen wir doch hin! Eike und Felix ruhen sich in der Koje aus. Fock weggerollt, um höher an den Wind zu kommen. Versuche mit kürzeren Kreuzschlägen 220°/ 170° unser Ziel direkter anzusteuern. Stubbenkammer taucht voraus auf, es regnet.
19.30 Uhr noch ca. 16 sm bis Arkona. Groß und Sturmfock, Motor aus, da Schräglage durch auffrischenden Wind größer und Motor ab und zu austaucht. Außerdem wird der Tank bald leer sein. Eike löst BL am Ruder ab. BL füllt 5 Liter Benzin nach. Felix bereitet Abendessen (belegte Brote) zu — toll, wie er mit dem holprigen Seegang zurecht kommt.
20.00 Uhr Abendessen, die Fähre „Sassnitz“ passiert kurz vor uns und die Küstenwache, aus dem Dunst aufgetaucht, umkreist uns mehrmals. Wieder werde ich an DDR-Zeiten erinnert.
21.00 Uhr ARKO 4,07 sm; rwK219°; KpK 195°; 5 kn; mit Groß und Motor direkt auf Glowe zu.
21.15 Uhr GLOW 9,07 sm; rwK 187°; KpK 184°; Inge per Handy über unsere Position verständigt und beruhigt.
22.00 Uhr Arkona Stb querab 3sm. Ein kleiner Frachter, von Ost kommend, zwingt uns zum Wenden. In stockfinsterer Nacht bei penetrantem Regen und „Hacksee“ mit Motor auf die Schaabe zu. Das Groß zieht weiter mit. Eike am Ruder. Zwei Ankerlieger passiert.
Ein sich endlos hinziehender „Landfall“, obwohl das rote und grüne Licht der Hafeneinfahrt schon gut erkennbar ist. BL hat Skrupel, möchte am liebsten nach Lohme, denn hier war er noch nie und kann sich nur schwach an den Hafenplan im Internet erinnern.
Kommen wir von der richtigen Seite? BL lässt das Echolot nicht aus den Augen. Felix muss mit dem Scheinwerfer nach Tonnen suchen, aber er findet keine. Als der Molenwall gut zu erkennen ist, bergen wir das Groß und gelangen mit einem scharfen Schwenk nach Bb durch eine ziemlich beengte Einfahrt in das doch recht geräumige Hafenbecken der Marina.
00.38 Uhr am zweiten Steg innen fest — großes Aufatmen und den Adrenalinspiegel mit einem Bier gesenkt. Ein schöner großer, anscheinend beliebter Hafen, in dem nur wenige freie Liegeplätze zu entdecken sind. Als „Betthüpferl“ gibt es für die Großen noch zwei Sherrys.

Sonnabend, 06.08.2005 Glowe — Vitte
07.00 Uhr BL wieder auf, zum Bäcker, Brötchen holen. Es bläst mit 5-6 bft aus West, also wieder gegenan, gestern hatte ja der Wind eine Ostkomponente. Zurück an Bord, muss er für die Mannschaft wieder energisch die Nachtruhe beenden. Langsam nervt ihn dieses Schlafbedürfnis. Während die beiden Langschläfer das Frühstück zubereiten, macht BL das Boot segelfertig und holt von Edeka Milch u.a. Proviant, bezahlt auf dem Rückweg beim Hafenmeister 8,- EUR und geht duschen. Mit Felix nochmals zu Edeka die vielen klappernden Bierflaschen wegbringen.
Am Strand machen sich 4 Hoby-Cat-Besatzungen einer Rügener Cat-Schule zum „Überfliegen“ nach Vitte fertig.
Zurück führt Felix ein langes Telefonat mit seinem Vater. Sein Kumpel Basti hat sich als Lehrling einen Finger abgequetscht, die Vorstellung davon wird Felix noch lange beschäftigen.
Elisabeth angerufen, damit sie die nächste Urlaubsaufsicht der BOE in Vitte aktiviert.
11.15 Uhr abgelegt und mit VK voraus gegen den Wind zur engen Hafenausfahrt hinaus. Danach sofort Groß (1. Reff), Sturmfock und Schwimmwestenverordnung.
ARKO 6,3 sm; 5,1 kn; KpK 336°; W 6; 1012 hPa; Himmel viertel bedeckt.
Felix am Ruder, es geht ihm sichtlich gut, besonders beeindruckt ihn das hochseetaugliche Schlauchboot mit 90 PS-Außenbordmotor, das die an uns vorbeifliegenden Cats begleitet.
Segeln mit Halbwind im Windschutz entlang der Küste. Zum Genießen gibt es einen süffigen Sherry (gefunden hinter dem Batteriekasten, dort sicher von BL versteckt und vergessen — ein AHA-Erlebnis!).
12.30 Uhr Vitt Bb querab 5 kbl, ein Tauchschiff mit Reklame für Taucherlebnisse im indischen Ozean liegt hier vor Anker. Am Strand vor der Räucherei herrscht ordentlich Trubel. Von den Cats ist schon lange nichts mehr zu sehen, sind hinter Arkona verschwunden.
12.40 Uhr Arkona Bb querab 5 kbl, gehen hoch an den Wind, hinaus in das ungeschützte Wasser, die Kreuz beginnt und das Hineinkrachen in die vorerst kurzen kabbligen Wellen. Aber es ist doch nicht so schlimm, wie erwartet.
DORN 12,1 sm; rwK 248°; W 5; SG 3-4; 4,5 kn. Wir entlassen Eike in die Koje zur weiteren Erholung. Bis Dranske 6 Kreuzschläge mit 330°/220°, davon 4 mit Felix am Ruder. Beim Schlag zum Land hin, gibt es immer ein „Leckerli“ (Schokokeks und/oder Schokolade) als Anreiz. Nach dem 2. Schlag ausgerefft — > 5 kn.
Felix — ein Naturtalent(?) — steuert gut und futtert bei diesem Seegang Äpfel und Tomaten. Ich bin zufrieden mit meinem Enkel.
13.15 Uhr Eike macht Stullen, danach gibt es den dritten Sherry.
13.45 Uhr Rehbergort Bb querab, KpK 215°; ca. 5 kn. Die Sonne scheint weiterhin und verpasst uns einen Sonnenbrand.
16.55 Uhr Libben-Fahrwasser Tn 1+2; WSW 4-5 (6). Kommen mit gutem Anlieger bis zum Hiddenseefahrwasser am Rassowstrom. Fock eingerollt, Motor an. Der schiebt uns noch mit 3 kn gegen den Wind, auch im Fahrwasser nach Vitte.
18.00 Uhr Vitte, am Stegkopf (alter Steg) fest. Elfriede und Dittmar auf YELLAND begrüßen uns.

Sonntag, 07.08.2005 Vitte
BL hält schon sehr früh nichts mehr in der Koje. In der Nacht regnete es ziemlich häufig. Jetzt nutzt er eine Regenpause, um per Fahrrad letztmalig Brötchen vom Bäcker in Kloster zu holen. Zurück an Bord spielt das Wetter wieder verrückt, es blitzt, kracht und gießt bis ca.
09.00 Uhr. Wir brauchen noch einen richtigen Liegeplatz und bei diesem Wetter zögern die Abreisewilligen natürlich den Aufbruch hinaus. Während Eike duschen geht, ergibt sich eine solche Gelegenheit. Motor an und fix rum zur anderen Stegseite, es gibt ja noch andere, die nur provisorisch festgemacht haben. Felix ist bei diesem Manöver eine verlässliche Hilfe, er hat gut gelernt.
Nun wird es langsam eng mit der Zeit bis zur Fährabfahrt. Kuchenbude aufbauen, Schiff aufklaren, packen! Kurz vor Ultimo Felix und Eike mit einem Fahrrad zur Fähre geschickt, Eike benötigt ja noch eine Fahrkarte.
12.05 Uhr mit 2. Fahrrad und doch noch viel Gepäck schiebend zum Hafen. Es regnet wieder und das erleichtert den Abschied.
12.20 Uhr Abfahrt nach Stralsund, mit hektischen Aktionen geht so eine erlebnisreiche Segeltour zu Ende.

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